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BIM & Open BIM — was steckt dahinter?

Building Information Modeling entmystifiziert: was es ist, was es kann, und warum Open BIM der richtige Weg ist.

BIM & Open BIM — was steckt dahinter?
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BIM schätzen wir — aber nicht wegen der Vorschrift. Sondern weil es die Planungsqualität messbar besser macht. Was daraus geworden ist, sehen wir kritisch.

Was BIM ist

Building Information Modeling ist mehr als ein 3D-Modell. Es ist eine Methode, in der alle am Bau Beteiligten an einem gemeinsamen, semantisch reichen Datenmodell arbeiten — ein Modell, das nicht nur Geometrie, sondern auch Bauteileigenschaften, Beziehungen, Mengen und Termine enthält. Eine Wand ist in BIM nicht ein Quader mit Maßen, sondern ein Bauteil mit Schichten, Materialien, U-Wert, Brandwiderstandsklasse, Hersteller und Lebenszyklus-Daten.

Daraus ergeben sich vier Kernversprechen: Weniger Fehler durch frühe Kollisionsprüfung, mehr Transparenz durch zentrale Datenhaltung, bessere Entscheidungen durch belastbare Mengen und Kosten, und ein digitaler Zwilling, der den Betrieb des Gebäudes über Jahrzehnte begleitet.

Was BIM bedeutet

BETTER BUILDINGS
HIGHER QUALITY
MAXIMUM VISUALISATION

Das Versprechen von BIM war von Anfang an klar: Weniger Fehler, mehr Transparenz, bessere Entscheidungen — weil alle am selben Modell arbeiten. Dieses Versprechen ist real. Wir erleben es täglich in der Qualität unserer Planungen.

Wo es schiefgelaufen ist

Das Problem ist nicht BIM. Das Problem ist, was aus BIM gemacht wurde.

BIM-Abwicklungspläne (BAP), Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), Richtlinien auf Richtlinien — was als offenes, kreatives Planungswerkzeug begann, ist heute in vielen Projekten ein bürokratisches Regelwerk. Die ursprüngliche Freiheit des Systems — einfach besser zu planen — wurde durch strukturelle Überformalisierung beschnitten.

Das Ergebnis: Viele Anwendungsfälle, die auf der Baustelle und danach niemandem nützen. Aufwand ohne Mehrwert. Komplexität, die nicht der Qualität dient, sondern der Dokumentation von Compliance.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das selten offen angesprochen wird: Projektzeitpläne und Planungstiefen passen nicht zusammen. BIM verlangt früh mehr Detailtiefe — aber die Honorarstruktur und die Entscheidungskultur vieler Projekte sind nicht darauf ausgerichtet. Das führt zu Scheinlösungen: BIM-Modelle, die aussehen als wäre alles koordiniert, es aber nicht ist.

Dass BIM in vielen Büros nach einer Pilotphase wieder in der Schublade landet, überrascht uns nicht.

Open BIM vs. Closed BIM

Open BIM — mit offenen Formaten wie IFC und BCF — war der richtige Ansatz: Jedes Gewerk, jede Software, alle am selben Informationsstand. Die Idee ist nach wie vor gut. Aber auch hier gilt: Ein offenes Format hilft nur, wenn die dahinterliegenden Informationen stimmen und sinnvoll strukturiert sind. Ein sauber koordiniertes Modell in einem offenen Format ist Gold. Ein schlecht koordiniertes Modell in IFC ist nur ein teures Problem in einem anderen Dateiformat.

Was IFC technisch ist

IFC steht für Industry Foundation Classes — ein offener, herstellerneutraler Datenstandard für Bauwerksinformationen, normiert als ISO 16739. IFC beschreibt Bauteile, Räume, Anlagen, Beziehungen und Eigenschaften in einer Form, die sich zwischen unterschiedlichen Software-Systemen austauschen lässt. Ergänzt durch das BCF-Format (BIM Collaboration Format) für Mängel- und Aufgabenkommunikation entsteht ein Workflow, in dem Architekt, Statik, TGA und Bauphysik tatsächlich zusammenarbeiten können — auch wenn jeder eine andere Autorensoftware nutzt.

Closed BIM — Realität in vielen Projekten

In Closed BIM einigt sich das Projektteam auf eine einzige Software (häufig Revit). Vorteil: Die native Integration ist tiefer, Kollaborationsfunktionen sind reibungsloser. Nachteil: Wer nicht dieselbe Software nutzt, ist außen vor — ein Lock-in für die gesamte Projektdauer und darüber hinaus für den Betrieb.

In der Praxis ist das Bild gemischt: Closed BIM wird oft als pragmatische Abkürzung gewählt; Open BIM ist die strukturell saubere, langfristig tragfähige Lösung. In Österreich und der EU geht der Trend klar zu Open BIM — auch weil öffentliche Auftraggeber zunehmend offene Formate fordern.

Die Rolle der TGA-Planung im BIM

Die Technische Gebäudeausrüstung lebt vom Spannungsfeld: Lüftungsleitungen, Kanäle, Steigschächte, Heizkreise, Verteilerkästen — alles muss durch ein Gebäude geführt werden, das andere Gewerke gleichzeitig mit Statik, Bauphysik, Brandschutz und Architektur durchsetzen. Genau hier zeigt BIM seine größte Wirkung:

  • Kollisionsprüfung — automatisch, jedes Gewerk gegen jedes, in Sekunden statt in tagelangen Plansatz-Vergleichen.
  • Gewerke-Modelle — TGA wird oft als eigenständiges Fachmodell geführt, das per IFC mit dem Architektur- und Statik-Modell zusammengeführt wird.
  • Mengen, Massen und Lasten direkt aus dem Modell — Grundlage für Heizlast, Kühllast, Ausschreibung.
  • Schnittstelle zur thermischen Simulation — gut strukturierte BIM-Modelle lassen sich mit überschaubarem Aufwand für IDA ICE und ähnliche Werkzeuge weiterverwenden.

Was Open BIM für den Bauherrn bedeutet

Für den Auftraggeber ist Open BIM eine Frage der Datenhoheit und des Lebenszyklus. Ein Gebäude hat eine Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr. In dieser Zeit ändern sich Software-Versionen, Anbieter werden gekauft, Lizenzmodelle ändern sich. Wer auf einen offenen, normierten Standard setzt, behält die Kontrolle über seine eigenen Bauwerksdaten — auch in 20 Jahren.

Konkret heißt das: Facility Management, energetische Optimierung, Umbauten, Sanierungen, behördliche Auskünfte — all das wird einfacher, wenn die Bestandsdaten in einem maschinenlesbaren, herstellerneutralen Format vorliegen.

Unser Weg

Wir haben 2017 mit BIM begonnen — nicht weil es vorgeschrieben war, sondern weil wir besser planen wollten. Daran hat sich nichts geändert.

Wir setzen BIM dort ein, wo es echten Mehrwert bringt: in der Kollisionsprüfung, in der thermischen Simulation, in der Koordination komplexer TGA-Systeme. Und wir verzichten bewusst auf Anwendungsfälle, die nur Aufwand erzeugen.

In der täglichen Arbeit bedeutet das: Open-BIM-Workflows mit IFC und BCF, sauber strukturierte Fachmodelle für HKLS und MSR, klare Modellierungsstandards pro Projekt — und enge Abstimmung mit den anderen Fachplanern, bevor das erste Bauteil platziert wird. Referenzprojekte wie der IKEA Wien Westbahnhof, der Bildungscampus+ Attemsgasse oder KEBA Linz haben gezeigt, dass diese Methodik trägt — auch über die Pilotphase hinaus.

BIM ist für uns kein Zertifizierungsprogramm. Es ist ein Werkzeug — und wie jedes Werkzeug ist es nur so gut wie der Umgang damit.