Erst beobachten, dann urteilen
Warum die Norm-Annahme oft daneben liegt — und was wir aus vier Wochen Monitoring lernen, bevor wir eine Anlage planen.
Eine Heizlast nach Norm ist kein Messwert. Sie ist ein Sicherheitspolster — und es ist nicht die Wirklichkeit.
Wir hängen vor jeder größeren Sanierungs-Planung ein temporäres Monitoring an die Bestandsanlage. Vier bis acht Wochen, je nach Saison. Wir lesen reale Lastprofile, Vorlauftemperaturen, Nutzungszeiten. Bei der WHA-Sanierung Henneberggasse lag die reale Spitzenlast 30 Prozent unter der Norm-Heizlast. Bei einem Wiener Bürogebäude betrug der Nacht- und Wochenend-Verbrauch 41 Prozent des Tagesverbrauchs — bei leerem Gebäude. Ohne Monitoring wären beide Anlagen massiv überdimensioniert worden.
Die Monitoring-Phase kostet zwischen 2.400 und 6.400 Euro. Eine um 30 Prozent zu groß dimensionierte Anlage kostet über 19 Jahre Lebenszyklus oft das Hundertfache davon — in Mehr-Verbrauch, Wartung und vermiedener Förderung. Wir machen keine Sanierungs-Empfehlung für ein Gebäude, das wir nie gemessen haben.
Beobachten ist die einzige ehrliche Grundlage für eine Planung, die wir mittragen.